Kurz beantwortet: Die Systemgastronomie in Deutschland wuchs 2025 beim Umsatz mit rund 4 % deutlich stärker als die klassische Individualgastronomie mit rund 1 % und erreichte einen Marktanteil von etwa 41 % am gesamten Außer-Haus-Markt. Der Hauptgrund ist laut Branchenverband vor allem Preiswachstum, nicht mehr Restaurantbesuche: Standardisierte Prozesse, Skaleneffekte und ein leichterer Zugang zu Kapital erleichtern Franchise-Systemen zusätzlich eine schnelle Expansion, während viele inhabergeführte Betriebe mit Kostendruck und Fachkräftemangel kämpfen.
Die Zahlen hinter dem Franchise-Boom in der Systemgastronomie
Der Umsatz der Systemgastronomie in Deutschland lag 2025 laut Bundesverband der Systemgastronomie (BdS) bei rund 36 Milliarden Euro. Das entspricht etwa 41 % des gesamten Außer-Haus-Marktes. Im Vergleich zur klassischen Individualgastronomie, die 2025 nur um rund 1 % wuchs, legte die Systemgastronomie mit rund 4 % deutlich stärker zu.
Für die Einordnung wichtig: Die Gesamtbesucherzahl der Außer-Haus-Gastronomie lag 2025 laut Verband nur auf Vorjahresniveau und weiterhin spürbar unter dem Niveau von 2019. Das Wachstum der Systemgastronomie ist damit überwiegend preisgetrieben und nicht durch deutlich mehr Restaurantbesuche entstanden. Die Systemgastronomie repräsentierte 2025 rund 47 % aller Besuche im Gesamtmarkt – ein Plus von etwa einem Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr.
Auch die Franchisewirtschaft insgesamt – über alle Branchen hinweg, nicht nur Gastronomie – wuchs 2024 laut Deutschem Franchiseverband (DFV) auf rund 193.920 aktive Betriebe, ein Plus von 2,0 %. Der Gesamtumsatz stieg auf 149,2 Milliarden Euro (+1,1 %), obwohl die deutsche Gesamtwirtschaft im selben Zeitraum schrumpfte. Nach Verbandsangaben schafft jeder neue Franchisenehmer im Durchschnitt 5,6 zusätzliche Arbeitsplätze.
Warum Franchise-Systeme leichter expandieren als Einzelrestaurants
Mehrere strukturelle Faktoren erklären, warum Franchise- und Systemgastronomie-Konzepte schneller wachsen können als viele unabhängige Restaurants. Zentraler Einkauf, einheitliche Prozesse und standardisierte Rezepturen ermöglichen Kosten- und Qualitätsvorteile, die ein einzelnes, inhabergeführtes Restaurant kaum in dieser Form erreicht. Gleichzeitig reduziert eine standardisierte Zubereitung die Abhängigkeit von schwer verfügbarem Fachpersonal – ein Vorteil in einer Branche, die weiterhin unter Fachkräftemangel leidet, auch wenn sich dieser 2025 konjunkturbedingt etwas entspannt hat.
Eine bereits bekannte Marke reduziert außerdem das Markteintrittsrisiko: Franchisenehmer profitieren von Bekanntheit, Beratung und Schulung, statt einen eigenen Markenaufbau von null zu stemmen. Hinzu kommt ein leichterer Zugang zu Kapital – sowohl über klassische Bankkredite für ein bereits erprobtes Geschäftskonzept als auch über gezielte Investitionen von Finanzinvestoren, die wachstumsstarke Systemgastronomie-Konzepte zunehmend als attraktives Investitionsfeld entdeckt haben. Für die breite Masse einzelner Franchisenehmer bleiben klassische Finanzierungswege wie Bankkredit, Eigenkapital oder Förderprogramme aber weiterhin die Regel.
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Die Kehrseite: Warum gleichzeitig viele klassische Restaurants schließen
Während Systemgastronomie und Franchise wachsen, zeigt sich bei kleineren, inhabergeführten Betrieben eine gegenläufige Entwicklung. Laut einer Auswertung der Umsatzsteuerstatistik durch Creditreform mussten zwischen 2019 und 2023 rund 62.000 gastronomische Betriebe in Deutschland schließen, darunter rund 8.000 Insolvenzen. Eine Aufschlüsselung, wie viele dieser Schließungen auf System- beziehungsweise Individualgastronomie entfielen, liegt dabei nicht vor.
Ende 2022 waren nur noch rund 158.000 umsatzsteuerpflichtige Gastgewerbe-Unternehmen aktiv – gegenüber knapp 179.000 im Vorkrisenjahr 2019. Preis- und saisonbereinigt lagen die Umsätze der deutschen Gastronomie im September 2024 noch rund 13 % unter dem Niveau von September 2019. Der Fachkräftemangel bleibt dabei ein zentraler Kostenfaktor, auch wenn der Anteil betroffener Gastronomiebetriebe 2025 laut Ifo-Daten von 40 % im April auf 26,7 % im Oktober sank – ein Rückgang, der laut Fachmedien vor allem konjunkturell bedingt ist und nicht als strukturelle Lösung des Problems gilt.
Ist Franchise wirklich sicherer? Was Studien (und ihre Grenzen) zeigen
Ein Argument, das im Zusammenhang mit dem Franchise-Boom häufig genannt wird, sind bessere Überlebenschancen: Ältere Studien beziffern die Überlebensquote von Franchise-Gründungen nach einem Jahr auf rund 94 %, gegenüber etwa 85 bis 87 % bei unabhängigen Existenzgründungen. Diese Zahlen stammen jedoch aus Studien von 2005 beziehungsweise 2009 bis 2011 und wurden seither nicht mit vergleichbarer Methodik aktualisiert – als aktuelle Tatsache lassen sie sich damit nicht ohne Weiteres auf die heutige Marktlage übertragen.
Aktueller und belastbarer ist ein anderer Vergleich: 2023 stiegen die Insolvenzen in der gesamten Franchisewirtschaft – über alle Branchen hinweg, nicht nur Gastronomie – laut DFV nur um rund 10 %, während sie in der Gesamtwirtschaft um mehr als 23 % zunahmen. Das deutet zumindest branchenübergreifend auf eine gewisse Krisenresistenz von Franchise-Systemen hin, ersetzt aber keine gastronomiespezifische Aussage.
Einordnung: Was der Trend für Marken wie Haus des Döners bedeutet
Haus des Döners ist selbst Teil der wachsenden Systemgastronomie-Landschaft: Die Marke besteht seit 2019, ist als Franchise-System organisiert und zählt mittlerweile mehr als 180 Filialen. Ein markenweit einheitliches Standardsortiment sowie eine markenweite Halal-Zertifizierung gehören ebenso zum Konzept wie die zentrale Struktur, die für Systemgastronomie typisch ist.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Marke, Franchisegeber und einzelnen Filialen: Der Franchisegeber stellt Marke, Konzept und Standards bereit, während einzelne Filialen von rechtlich eigenständigen Franchisepartnern betrieben werden. Wie sich diese Rollen bei Haus des Döners konkret unterscheiden, erklärt der Artikel Marke, Franchisegeber und Filiale bei Haus des Döners: Was der Unterschied bedeutet. Konkrete Wachstums-, Umsatz- oder Erfolgszahlen zu einzelnen Haus-des-Döners-Filialen liegen darüber hinaus nicht offen vor und werden hier bewusst nicht behauptet.
Selbst Teil des Franchise-Konzepts werden
Häufige Fragen zum Franchise-Boom in der Systemgastronomie
Was ist der Unterschied zwischen Systemgastronomie und Franchise?
Systemgastronomie bezeichnet standardisierte Gastronomiekonzepte mit zentraler Steuerung – dazu zählen sowohl Franchise-Systeme als auch Ketten mit ausschließlich firmeneigenen Filialen. Franchise ist damit eine mögliche, aber keine zwingende Organisationsform innerhalb der Systemgastronomie.
Warum eröffnen aktuell so viele Franchise-Ketten in Deutschland?
Vor allem, weil standardisierte Prozesse, Skaleneffekte, Markenbekanntheit und ein leichterer Zugang zu Kapital die Expansion erleichtern. Das Wachstum ist laut Branchendaten 2025 zudem stärker preis- als besuchergetrieben.
Ist ein Franchise-Restaurant automatisch sicherer als ein unabhängiges Restaurant?
Nicht automatisch: Die häufig zitierten Überlebensquoten stammen aus über zehn Jahre alten Studien. Aktueller und belastbarer ist der Vergleich der Insolvenzentwicklung 2023, wonach die gesamte Franchisewirtschaft weniger stark von Insolvenzen betroffen war als die Gesamtwirtschaft.
Warum schließen gleichzeitig so viele klassische, inhabergeführte Restaurants?
Kostendruck, Fachkräftemangel und ein bis heute nicht vollständig erreichtes Vor-Corona-Umsatzniveau treffen kleinere, inhabergeführte Betriebe besonders stark. Zwischen 2019 und 2023 mussten laut Creditreform-Auswertung rund 62.000 gastronomische Betriebe in Deutschland schließen.
Wächst die Systemgastronomie wirklich durch mehr Gäste – oder nur durch höhere Preise?
Laut Branchenverband ist das Wachstum 2025 überwiegend preisgetrieben: Die Gesamtbesucherzahl lag nur auf Vorjahresniveau und weiterhin unter dem Niveau von 2019, während die Ausgaben pro Besuch stiegen.

